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Ungerade Taktarten: 5/8, 7/8 und 9/8 sicher zählen

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Der größte Teil der Musik, die wir im Radio hören, steht im 4/4-Takt, manches im 3/4- oder 6/8-Takt. Wer zum ersten Mal einen 7/8-Takt spielen soll, fühlt sich deshalb oft, als würde ihm ein Schlag fehlen. Genau so ist es auch gemeint: Ungerade Taktarten wirken holprig, weil sie unsere Erwartung brechen. Mit der richtigen Zählweise werden sie aber schnell so selbstverständlich wie ein Walzer. Der Schlüssel heißt Gruppierung.

Was ist eine ungerade Taktart?

Eine Taktart wie 7/8 sagt zwei Dinge: Es gibt sieben Zählzeiten pro Takt, und jede davon ist eine Achtelnote. Als ungerade oder „krumme“ Taktarten bezeichnet man Takte, die sich nicht gleichmäßig in Zweier- oder Dreiergruppen teilen lassen. Typisch sind 5/8, 7/8, 11/8 oder 5/4 und 7/4. Der 9/8-Takt gehört eigentlich nicht dazu, wenn er als 3+3+3 gezählt wird; dann ist er ein ganz normaler zusammengesetzter Takt mit drei punktierten Vierteln. Wird er aber als 2+2+2+3 gespielt, klingt er genauso „krumm“ wie ein 7/8-Takt.

Entscheidend ist also nicht nur die Zahl oben, sondern wie die Achtel zusammengefasst werden. Ein 7/8-Takt besteht in der Praxis immer aus Zweier- und Dreiergruppen. Die kurzen Gruppen haben zwei Achtel, die langen drei. Wer das verstanden hat, zählt nicht mehr „eins bis sieben“, sondern denkt in kurzen und langen Schritten.

Gruppierungen: 2+2+3, 3+2+2 und 2+3+2

Ein 7/8-Takt kann auf drei Arten gefühlt werden: 2+2+3, 2+3+2 oder 3+2+2. Alle drei haben sieben Achtel, klingen aber völlig verschieden. Bei 2+2+3 kommt die lange Gruppe am Ende, der Takt „stolpert“ in die nächste Eins. Bei 3+2+2 steht die lange Gruppe am Anfang, der Takt wirkt schwer und zieht dann nach vorn. Welche Gruppierung gemeint ist, verraten oft die Balken in den Noten: Die Achtel sind dort meist so verbunden, wie sie gruppiert werden.

Beim 5/8-Takt gibt es zwei Möglichkeiten: 3+2 oder 2+3. Beim 9/8-Takt ist 3+3+3 die klassische Form, 2+2+2+3 die Form, die man aus der Musik des Balkans und der Türkei kennt. Längere Takte wie 10/8 oder 11/8 setzen sich ebenfalls aus Zweiern und Dreiern zusammen, etwa 3+3+2+2 oder 3+3+3+2.

Die Tabelle zeigt die Gruppierung, die das Metronom auf dieser Seite für jede x/8-Taktart voreinstellt, und wo die Betonungen liegen. Das Zeichen > steht für die starke Betonung auf der Eins, › für die leichtere Betonung am Anfang jeder weiteren Gruppe, der Punkt für eine unbetonte Achtel. Im Metronom kannst du die Gruppierung jederzeit ändern.

TaktÜbliche GruppierungBetonungen
5/83 + 2>··›·
6/83 + 3>··›··
7/82 + 2 + 3>·›·›··
9/83 + 3 + 3>··›··›··
10/83 + 3 + 2 + 2>··›··›·›·
11/83 + 3 + 3 + 2>··›··›··›·
12/83 + 3 + 3 + 3>··›··›··›··

Und was ist mit 5/4 und 7/4? Hier ist die Zählzeit eine Viertel statt einer Achtel. Ein 5/4-Takt hat also fünf Viertel und klingt bei gleichem Tempo doppelt so lang wie ein 5/8-Takt. Die Gruppierung funktioniert aber genauso: 3+2 oder 2+3 Viertel. Ob ein Komponist 7/8 oder 7/4 schreibt, hängt oft nur vom Tempo und von der Lesbarkeit ab. Schnelle Musik mit vielen kurzen Noten steht eher in Achteln, ruhigere eher in Vierteln. Für das Metronom heißt das: Bei 7/4 klickt jeder Schlag als Viertel, und du stellst das Tempo in Viertel-BPM ein. Bei 7/8 klickt jede Achtel, und die BPM-Zahl bezieht sich auf die Achtel. Ein 7/8-Takt bei 210 BPM klingt also ungefähr so schnell wie ein 7/4-Takt bei 105 BPM. Wenn dir die Achtel-Klicks zu hektisch werden, nimm die Viertel-Variante mit Achtel-Unterteilung. Dann bleibt die Zahl kleiner, und du hörst trotzdem jede Achtel.

So zählst du ungerade Takte

Die einfachste Methode: Zähl jede Gruppe neu von eins. Ein 7/8-Takt als 2+2+3 heißt dann „eins-zwei, eins-zwei, eins-zwei-drei“. Ein 5/8-Takt als 3+2 heißt „eins-zwei-drei, eins-zwei“. So hörst du sofort, wo die Gruppen anfangen, und musst dir keine Sieben merken.

Manche Lehrer arbeiten lieber mit Silben. Für eine Zweiergruppe sagt man „ta-ka“, für eine Dreiergruppe „ta-ki-ta“. Ein 7/8-Takt als 2+2+3 klingt dann „ta-ka ta-ka ta-ki-ta“. Das kommt aus der indischen Rhythmuslehre und funktioniert gut, weil sich die Silben flüssig sprechen lassen. Eine dritte Variante ist das Denken in kurz und lang: kurz-kurz-lang. Das ist besonders hilfreich bei schnellen Tempi, wenn einzelne Achtel nicht mehr gezählt werden können.

  1. Sprich den Rhythmus zuerst ohne Instrument, mit Silben oder Zahlen.
  2. Klatsch nur die ersten Achtel jeder Gruppe und sprich die übrigen leise mit.
  3. Stell das Metronom auf die Taktart und Gruppierung ein und klatsch mit.
  4. Erst dann nimm das Instrument dazu, zunächst in einem langsamen Tempo.

Bekannte Beispiele

Das berühmteste Stück in einer ungeraden Taktart ist wohl „Take Five“ vom Dave Brubeck Quartet. Es steht im 5/4-Takt, meist als 3+2 gefühlt. Ebenfalls von Brubeck stammt „Blue Rondo à la Turk“, dessen Hauptthema im 9/8-Takt als 2+2+2+3 gruppiert ist. „Money“ von Pink Floyd läuft größtenteils im 7/4-Takt; für das Gitarrensolo wechselt die Band in einen 4/4-Takt. Gerade an diesen Beispielen hörst du gut, dass sich ungerade Takte nicht kompliziert anfühlen müssen. Sie grooven, wenn die Gruppen klar sind.

Auch in der Volksmusik Südosteuropas sind ungerade Takte Alltag. Viele Tänze aus Bulgarien, Nordmazedonien oder Griechenland stehen in 7/8, 9/8 oder 11/8. Dort zählt niemand bis elf; die Tänzerinnen und Tänzer spüren kurze und lange Schritte.

Übungen mit dem Metronom

Für den Einstieg eignet sich der 5/8-Takt mit der Gruppierung 3+2. Stell im Metronom 5/8 ein, wähl 3+2 und beginne mit einem ruhigen Tempo, bei dem du jede Achtel sauber mitklatschen kannst. Das Metronom betont die Eins am stärksten und den Anfang der zweiten Gruppe etwas leichter. Dein Ziel: die Gruppen hören, ohne mitzuzählen. Danach wechselst du auf 2+3 und spürst, wie anders derselbe Takt wirkt.

Im nächsten Schritt kommt der 7/8-Takt dazu. Spiel nacheinander alle drei Gruppierungen, jeweils acht Takte lang. Wenn das sicher sitzt, kannst du einzelne Achtel stumm schalten, sodass nur noch der Anfang jeder Gruppe klickt. Dann musst du die Achtel dazwischen selbst halten, genau wie beim Klick auf 2 und 4 im 4/4-Takt.

Metronom online

Im Metronom 7/8 wählen, unter „Gruppierung“ 2+2+3, 2+3+2 oder 3+2+2 einstellen und die Gruppen mitklatschen.

Fortgeschrittene können den Tempo-Trainer auch auf ungerade Takte anwenden. Weil jedes neue Tempo genau auf einem Taktstrich beginnt, bleibt die Gruppierung beim Tempowechsel erhalten. Ein guter Plan: alle 4 Takte +4 BPM, bis die Gruppen auch im schnellen Tempo klar bleiben.

Typische Stolperfallen

  • Die lange Gruppe wird zu kurz: Die dritte Achtel in einer Dreiergruppe wird gern verschluckt. Sprich sie bewusst mit.
  • Der Takt wird zum 4/4 „begradigt“: Wer zu sehr an gerade Takte gewöhnt ist, hängt eine Achtel an. Klatsch langsam und zähl laut.
  • Gruppierung unklar: Schau in die Balken der Noten oder hör dir eine Aufnahme an, bevor du übst.
  • 6/8 mit 3/4 verwechselt: 6/8 ist 3+3 (zwei Schwerpunkte), 3/4 ist 2+2+2 (drei Schwerpunkte), obwohl beide sechs Achtel haben.

Häufige Fragen

Wie zähle ich einen 7/8-Takt?
In Gruppen, nicht bis sieben. Bei 2+2+3 zählst du „eins-zwei, eins-zwei, eins-zwei-drei“. Die Balken in den Noten zeigen meist, welche Gruppierung gemeint ist.
In welcher Taktart steht „Take Five“?
Im 5/4-Takt, meist als 3+2 gefühlt. Das Stück stammt vom Dave Brubeck Quartet.
Ist 9/8 eine ungerade Taktart?
Als 3+3+3 gezählt ist 9/8 ein normaler zusammengesetzter Takt. Als 2+2+2+3 gespielt, wie in „Blue Rondo à la Turk“, wirkt er wie eine ungerade Taktart.